Dorette Ziegeler und Rolf Kröger (Foto: Hajo Eckert)

Auch in einem Ort wie unserem finden nennenswerte Dinge statt, die unbekannt sind. Sie sind trotzdem beachtenswert, finden oftmals im Verborgenen statt. Kaum jemand nimmt sie zur Kenntnis. Aber: Bei aller Unkenntnis sind sie das Salz in der Suppe „Gemeinwesen“.

Da gibt es so eine Geschichte aus dem Haus in der Dorfaue 5.
Rolf Kröger, im Mai wird er neunzig Jahre alt, kommt jeden Morgen zu Dorette Ziegler, 93 Jahre alt, im gleichen Haus parterre wohnend, um seinen sozialen „Dienst“ pünktlich um 9.15 Uhr anzutreten. Was steht an?
Zum Ritual gehört, dass er zwei Apfelsinen für einen frisch gepressten Saft ausdrückt. Dorettes Hände, die schon Retro-Mode für eine ansprechende Schau im damaligen Hotel Leegebruch schafften, haben nicht mehr die Kraft dazu.
Dann geht es an die Einkaufsliste. Was wird gebraucht? Zwischendurch natürlich stets ein kleiner Schwatz. Alsbald schwingt sich Rolf auf sein Dreirad mit einem urigen Kasten, wo alles verstaut werden kann. Und das bei Wind und Wetter. Dazu zählen nicht nur die Einkaufstouren, sondern auch Aufträge beim Kopierservice von Kevin, wo er Collagen von Dorette kopieren und vergrößern lässt. Schließlich ist die Gestalterin noch täglich beim kreativen Schaffen mit Papier und Stoffen, Litzen und Stiften.
Nachbarschaftshilfe ohne Ehrenamt-Status unter Neunzigjährigen Senioren in Leegebruch, die selbstbestimmt ihren Alltag meistern wollen. Und sich darin bemühen. Welch großartiges alltägliches Engagement.
Man kennt sich inzwischen aus dem Effeff. Die Geschichten aus dem langen Leben sind fast alle erzählt. Und trotzdem gibt es immer mal wieder was Neues aus dem aktuellen Umfeld, das mal „durchgekaut“ und aus eigenen Erfahrungen beleuchtet werden muss.

Auf Butler Rolf und einen Schwatz mit ihm ist immer Verlass. „Ich bin sehr glücklich, dass ich solchen Nachbarn habe, der mich so unterstützt“, meint Dorette Ziegeler. „Das macht mir das Leben hier sehr lebenswert“, so die Seniorin. Sie beansprucht darüber hinaus natürlich auch einen Pflegedienst, der allwöchentlich kommt.
Aber die tägliche Zuwendung von Rolf, ihrem Nachbarn im Haus, ganz ohne bürokratische und minutiöse Abrechnungen für seine Betreuung, ist einfach eine willkommene Hilfe – ohne Gedöns. Es ist ein Körnchen Salz in der Suppe unseres „Gemeinwesens“.

Hut ab!

meint
Liane Protzmann
Foto: hajo