Die Guillotine im Garten von Olaf Kaden (Foto: Hajo Eckert)

Eine Leegebruch-Story

Das ist nun wirklich einmalig in unserem Ort. Da steht doch in einem Vorgarten eines alten Gesindehauses am Ende der Eichenallee, Ecke Dorfstraße eine Guillotine im unaufgeräumten Vorgarten. Wie ist sie dahin gekommen? Und wer ist das, der sein Anwesen mit einem Mordinstrument ausstattet? Und das ausgerechnet auch noch recht sichtbar für den aufmerksamen Spaziergänger zeigt.

Die Geschichte dazu erzählt Olaf Kaden, der dort wohnt.

Er ist alles andere als ein schräger Vogel, weder schrill noch durchgeknallt.

Olaf Kaden (Foto: Liane Protzmann)

Olaf Kaden (Foto: Liane Protzmann)

Olaf Kaden ist mit Leib und Seele Theatermann: Schauspieler, Pantomime. Und noch dazu Pädagoge. Seit 25 Jahren hat er einen Lehrauftrag an der Alice-Salomon Hochschule für soziale Arbeit in Hellersdorf. Dort bildet er junge Sozialarbeiter in künstlerischen Fächern wie Kulturästhetik und Medien mit kreativen Projekten aus.
„Vor zehn Jahren etwa gab es so ein Projekt zum Thema Protest. Das hing auch damit zusammen, dass enorme Studiengebühren erhoben werden sollten. Jedenfalls beschäftigten wir uns mit der Sache, wobei ein Objekt entstehen sollte“, erzählt Olaf Kaden freimütig. Die jungen Studenten, meist Frauen, entschieden sich für die Guillotine, ein Sinnbild der französischen Revolution. Und als Aufgabe kam hinzu: Es musste bei der Realisierung auch geschweißt werden.

„Dieses nachgebaute Mordinstrument haben wir hier auf dem Leegebrucher Hof hergestellt. Der Rahmen besteht nämlich aus alten Bahnschienen, die auf dem Hof gelagert waren. Ich hatte sie vom Vorbesitzer übernommen, nachdem ich 2006 das Grundstück gekauft hatte“, erzählt Olaf Kaden die Guillotine-Geschichte weiter.
Dann wurde das Kunst-Werk in der Hellersdorfer Hochschule ausgestellt, stand aber bald im Wege. So kam es wieder hierher zum Geburtsort und steht seitdem im Vorgarten von Olaf Kaden.

Es sieht zwar echt aus, ist aber alles andere als das, meint der Pädagoge. „Alles stumpfe Teile, keine scharfen Kanten, nichts ist beweglich“, so der Lehrbeauftragte, der dabei genüsslich schmunzelt. Also: Entwarnung für dieses Mordinstrument.

Der Künstler Kaden, Jahrgang 1963 und in Karl-Marx-Stadt geboren, liebt diesen Flecken hier. Der Ort, die alten Gemäuer, wo nebenan seit 1922 einmal eine Dorfkneipe war – eine Tafel des Geschichtsvereins vor dem Haus informiert darüber – hat etwas Magisches für ihn. Er will nichts aufhübschen oder modernisieren, mag die alten Türen, Dielen, Treppen und Verschläge im Haus. Olaf Kaden lebt gern und bewusst mit dieser Geschichte im historischen Kern des Ortes. Mit Sohn (12 Jahre) und Tochter (20 Jahre) sowie dem Kater Carlo.

Vorerst noch in Berlin-Weißensee wohnend, und hier nur hin und wieder am Wochenende sich aufhaltend, hat Kaden dann 2012 in Leegebruch feste Wurzeln geschlagen.
Als gelernter Werkzeugmacher und studierter Maschinenbauingenieur einst in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, werkelt er auch gern mal an alten Uhren, die er wieder zum Ticken bringen will.

Doch sein Ding ist und bleibt das Theaterspiel. Allsommerzeit, von Juni bis September, geht es ins Erzgebirge. Da spielt er auf der Naturbühne Greifensteine: so schon x-Mal die Rolle des Old Shatterhand im berühmten Karl May Stück.

Aber auch zur letzten Vorweihnachtszeit gab der Schauspieler eine Mini-Gastrolle beim offenen Adventskalender-Treffen von Ingrid Schleusener: Im Zwei-Personen-Stück von Loriot mimte er den Opa Hoppenstedt.

Übrigens: Seine Guillotine kann man ausleihen. Leegebrucher um die Ecke haben sie schon zum Halloween mal ausgeborgt.

Text: Liane Protzmann
Fotos: pro/hajo (Guillotine)