Tierischer Pantoffelheld (Foto: Hajo Eckert)

Wenn Katzen wissen was sie wollen.

Wenn die Katze hartnäckig was will – ist dann alles in Butter? Alles andere als das. Wir haben dies in letzter Zeit verstärkt erfahren müssen.

Die Lehrmeisterin ist unsere Katze Lisa. Sie ist 16 Jahre alt, Britisch-Kurzhaar schwarz, eine Karthäuser-Mieze mit bernsteinfarbigen Kulleraugen. Nicht, dass sie ein Neuzugang für uns wäre, nein sie lebt schon seit Anbeginn ihres Lebens in unserem Haushalt, ist ein akzeptiertes Familienmitglied im Ort Leegebruch, in Haus und Garten sowie in der Nachbarschaft. Besonders als Platzhalterin in ihrem Revier.

Doch in letzter Zeit, so als alternde Dame, hält sie ihre Dienerschaft mächtig auf Trapp.
Natürlich kennen wir den Spruch „Hunde haben Herrchen und Frauchen, Katzen haben Bedienstete“ als geistreich, witzigen Aufdruck auf T-Shirts, Postkarten oder sonst wo. Aber der aufgeklärte Mensch meint ja immer: Alles übertrieben, das kriegen wir schon hin.

Dem ist aber nicht ganz so.
Lisa hat sich zum Beispiel ihren Diener, natürlich den Hausherrn, zu einem äußerst unangenehmen Strammstehen auserkoren. Und das ziemlich erfolgreich. Denn seine Frühschicht beginnt alltäglich so gegen 4 Uhr morgens. Da kommt sie ans Bett, umkreist ihn mit Samtpfoten und schnurrt sanft wie eine Singer-Nähmaschine. Dazu glotzt sie ihn permanent an: Schlaf und Ruhe sind natürlich Ade.
Sie will ja schließlich was. Endlich Frühstück!

Wenn er sich, pfiffig genug, schlafend stellt, zur Seite legt, dann hat die liebe Mieze weitere strategische Mittel parat. Mit der Tatze wird sanft an der Schulter getippt. Einmal, zweimal …
Kann man das aushalten? Kaum. Ausharren, Abwarten, Ignorieren – alle menschlich intellektuellen und scheinbar klugen Taktiken versagen einfach. Die Katze hat eben mal morgens in der Früh um 4 Uhr Appetit auf ein paar Häppchen.
Also: Aufstehen, was Leckeres anbieten – und schon ist Ruhe.
Eine Katze erziehen, das geht wohl nicht. Das lernt man einfach.

Bei einem Tier-Psychologen möchte man eher nicht vorsprechen – man blamiert sich ja bloß. Rausgeschmissenes Geld! Dann lieber Frühschicht um 4 Uhr. Ist irgendwie kostengünstiger.
Eine andere Nummer ist das Anglotzen, wenn man mal selber in die Glotze gucken möchte. Das nervt ungemein. Man kann nicht in Ruhe Nachrichten gucken, weil die Katze sich majestätisch vor einem aufbaut und – glotzt. Noch dazu mit diesen wunderbaren bernsteinfarbenen Kulleraugen. Na klar, sie will was. Ob geputzt oder gefüttert werden – sie zeigt das zwar dezent aber penetrant ihrer Dienerschaft an. Und sobald jemand sich erbarmt und aus dem Fernsehsessel erhebt, dann ist alles für sie in Butter. Wir stehen also stramm und bedienen unser liebes Haustier.

Bei all unserem „Versagen“ nebst Schlafverlusten und Katerfrühstück ob einer Katze ist uns eines schon jetzt klar: Wenn wir manchmal daran denken, dass unsere alte Mieze Lisa, die uns all die Jahre auch Freude bereitet und uns Dinge gelehrt hat, die man nur durch ein Tier erfahren kann, einmal nicht mehr da sein wird – dann wird etwas fehlen. Und wir bekommen jetzt schon feuchte Augen.
Und sagen: Alles ist gut so. Alles in Butter.

Text: Liane Protzmann
Foto: Hajo Eckert